„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ schallte es aus dem Autoradio. Johannes kannte den Song, Kettcar, „Im Taxi Weinen“. Nach Weinen war ihm gar nicht zumute, eher nach Lachen. Er lies sich tiefer in den warmen Rücksitz des Taxis sinken und platzierte seinen alkoholschweren Kopf vorsichtig an der Kopfstütze. Er hätte es wissen müssen. Er hätte schon bei der Einladung misstrauisch werden müssen. Mathias und Konstanze hatten ihn zum Essen eingeladen. Fred und seine neue Freundin, die kleine Kölnerin, sollten auch kommen. Er hätte es einfach wissen müssen. Aber er hatte ihren Eifer einfach unterschätzt.
Und so war er vor einigen Stunden völlig ahnungslos und leicht verspätet durch die Hofeinfahrt des Schwabinger Altbaus getreten und hatte auf die Geräusche aus den rückwärtigen Fenstern gelauscht, um herauszuhören, in welchem Stock die beiden wohl wohnten. Er hatte sich nicht besonders viel Mühe mit seinem Outfit gegeben, die Haare ungewaschen, eine alte ausgetragene Jeans und sein ungebügeltes Hemd das er schon gestern getragen hatte. War ja nur ein Essen unter Freunden, die Revanche für den Schweinebraten, den er an Sylvester für die Truppe zubereitet hatte. Irgendwann hörte er Mathias Stimme wie er sich mit einer Frau unterhielt, vermutlich der kleinen Kölnerin. Er beschloss, dass die Stimmen wohl aus dem Vorderhaus kommen mussten und betrat das Treppenhaus.
Mathias empfing ihn herzlich an der Tür, bedankte sich artig für die Flasche Wein, die Johannes aus der Tasche zog und nahm ihm den Mantel ab. Sie unterhielten sich ein bisschen im Flur, darüber das die Wohnung gar nicht so leicht zu finden war, dass unten am Eck wohl gerade ein neuer Szenefriseur seine Eröffnungsparty feierte, schließlich ging Mathias vor und Johannes betrat das Esszimmer – und hätte am liebsten sofort wieder umgedreht. „Das haben sie jetzt nicht wirklich getan“ schoss es ihm durch den Kopf während er fühlte, wie ihm das Blut in den Kopf stieg. Er blieb einen kurzen Moment stehen, jedoch lange genug, dass es den fünf Augenpaaren aufgefallen sein musste, die ihn teils freundlich, teils interessiert entgegenschauten. Fünf Augenpaare. Man könnte sich keinen größeren Zaunpfahl vorstellen, als der, mit dem hier gewunken wurde. Der Tisch stand längs vor ihm. An der einen Seite saß Konstanze und Mathias stand hinter seinem Stuhl. An der anderen Seite saßen Fred und die kleine Kölnerin. Und am langen Ende, also ihm direkt zugewandt saß eine ihm nur flüchtig bekannte Frau und schaute ihn mindestens genauso peinlich berührt an, wie er gerade schauen musste. „Das haben sie jetzt nicht wirklich getan“ dachte Johannes noch einmal.
Eigentlich eigenartig: im Grunde war nichts Verfängliches an dieser Situation, es saßen einfach fünf Leute an einem Tisch und eine Sechste betrat den Raum. Aber dennoch war wohl allen beteiligten in Bruchteilen von Sekunden klar, was hier gespielt wurde. Ein Pärchen hier, ein Pärchen dort, eine Singefrau hier, ein Singlemann hier. Die Kabbala der Romantik. Vielleicht war es auch weniger die Situation, das Setting, das bei ihm leichte Übelkeit erzeugte, als vielmehr dieses verschwörerische Glänzen in Mathias Augen, als er die Vorstellungsrunde beendete mit dem Satz „…und das ist Konstanzes Freundin Franziska -Single“. Johannes betrat mit stocksteifen Beinen den Raum, das ganze war ihm unerträglich peinlich, er hasste solche Situationen, er hasste es, nun hier als Marionette eines geschickt eingefädelten ganz rein zufälligen Zusammentreffens agieren zu müssen. Jede Geste, jedes Wort an die Dame an der anderen Tischseite würde ab jetzt für alle anderen Beteiligten Personen von Bedeutung nur so triefen, sie würde es aufsaugen wie ein Schwamm, sich bezeichnende Blicke zuwerfen und sich vermutlich unter der Tischplatte bestärkend die Hände drücken. Das Beste daran war das sie sogar Geschmack bewiesen hatten. Konstanze war durchaus attraktiv. Dennoch vermied Johannes in den ersten Minuten jeglichen Blickkontakt mit ihr, so als könne er sich dadurch dem geheimen Uhrwerk entziehen, das, statt wie von den anderen geplant, unauffällig im Hintergrund zu ticken, laut in seinen Ohren pochte.
Die Vorspeisen wurden aufgetragen, Johannes begann eine ungezwungene Unterhaltung mit Fred, der wiederum die kleine Kölnerin mit einbezog, die sich schließlich geflissentlich an Franziska wandte, um auch sie in das Gespräch einzubeziehen. Es ging um Thailand, schließlich gab es Saté-Spiesschen. Johannes fragte Konstanze höflich, ob sie auch schon mal in Asien gewesen sei. „Ja“ erzählte sie begeistert: „Ich war letzten Sommer mit meinem Freund dort“ – sie stockte – „Na ja, mit meinem Ex-Freund“. „Oh Gott“, dachte Johannes, „steh auf und renne!“.
Der Abend nahm seinen Lauf. Es war schon äußerst erheiternd, welche Namen sich frisch getrennte Frauen für ihre neue Leerstelle einfallen ließen. Als wollten sie dem Unvermeidlichen wenigstens semantisch noch ein Schnippchen schlagen. Auch Franziska verstand es aufs Beste, ihren frisch Verflossenen den ganzen Abend ständig penetrant immer wieder mit den eigenartigsten Formulierungen in das Gespräch einfließen zu lassen: „Mein-Freund-der-jetzt-mein-Exfreund-ist“ oder „Mein-jetzt-dann-doch-wahrscheinlich-wohl-Ex-Freund“ oder „Mein-ach-ja-Ex-Freund“ oder „Peter-mein- kurzes Schweigen-böser Blick -bisheriger-Freund“ und so weiter und so fort. Die kleine Kölnerin und Konstanze schauten während solchen Ausführungen immer entweder betroffen zu Franziska oder aufmunternd zu Johannes. Dieser verkroch sich immer tiefer in seinen thailändischen Curry. Es war noch schlimmer als vermutet. Sie hatten nicht nur eine ihrer Freundinnen auserkoren, brutal mit ihm verkuppelt zu werden, ohne dass er oder sein Anwalt hätten Einspruch erheben können. Nein, sie hatten auch noch eine ausgewählt, die noch nicht mal drei Wochen von ihrem Knaben getrennt war, also absolut jenseits von Gut und Böse, im paralysierenden Trennungsschock, kurz vor der Verleugnungsphase. Jeder Mann, der dieser Frau in den nächsten Wochen in die Finger kommen würde, war zu bemitleiden. Entweder musste er sich Dauerwursterhatmicheinfachnichtverstandengeschichten anhören während er, Franziska und ein virtueller Peter nebeneinander im Bett lagen - was noch die erfreuliche Variante war. Oder aber er würde gnadenlos zu den Restaurationsarbeiten an dem angeknickten Selbstbewusstsein dieser Frau herangezogen um anschließend wie ein leerer Sack Zement auf den Beziehungsmüll landen. Johannes hatte das selbst schon einmal erlebt: ganze drei Monate hatte er sich die Horrorgeschichten über den beziehungsunfähigen und offensichtlich gewalttätigen Ex-Freund der Dame angehört, um dann gesagt zu bekommen: „ihn habe ich geliebt, Dich nicht“. „Danke-Prost“ dachte Johannes während er ein weiteres Glas Wein leerte.
Es kam wie es kommen musste, Konstanze säuselte, sie müsse das Dessert vorbereiten, Mathias sprang ihr hilfsbeflissen hinterher, die kleine Kölnerin zog Fred zum Kuscheln aufs Sofa und so saß schließlich Johannes und Franziska alleine am Tisch. Sie redete unentwegt. Sie redete vom Rauchen und davon dass „Also-mein-na-nun-Ex-Freund“ nicht verstanden habe, warum sie es nicht mochte, wenn er besoffen aus Kneipen kam. Sie hatten sich vor seinen Kumpels gestritten, was Peter wohl besonders ehrenrührig gefunden hatte. Johannes hörte ihr zu, während er ein Glas nach dem anderen leerte und ließ nur ab und zu ein „aha“ oder ein „echt“ einfließen. Mehr war auch nicht nötig, sie hatte ihn in einen Monolog verwickelt. Er war fasziniert von der Akribie, mit der sie ihm die Schlüsselszenen der Trennung nacherzählte. Fast wie in einer Detektivgeschichte beschrieb sie ihm minutiös jede seiner Bewegungen, seiner Sätze, seiner Bewegungen, seiner Blicke nach, so als müsse sie sich und ihm die Szenen nur genau und detailliert genug vor Augen führen um endlich den Schlüssel zu ihrem Verständnis zu finden. Johannes kamen die Geschichten banal vor, Alltagsstreitigkeiten wie sie in jeder Beziehung vorkamen. Aber er sagte nichts, lies sie reden und trank Wein. Schließlich schaute sie ihn an: „Du kannst wirklich gut zuhören, weißt Du das?“ „Hä?“ sagte Johannes, der mit seinen Gedanken gerade wo völlig anders gewesen war. Franziska redete schon weiter…
Schließlich waren Fred und die kleine Kölnerin fertig mit kuscheln und meinten, sie wollen nun gehen, aber Johannes könne ja noch bleiben, es sei – anzügliches Lächeln – ja gerade so gemütlich. Johannes sprang auf „Nein, es ist spät, ich komme mit“. Auf dem Flur warfen ihm Fred und die kleine Kölnerin wieder Blicke zu und nickten beide synchron mit dem Kopf in Richtung Wohnzimmer wobei sie mit den Augen rollten. Am liebsten hätte Johannes laut losgelacht, es sah so abgesprochen albern aus. Stattdessen griff er sich seinen Mantel, verabschiedete sich von den Gastgebern und Franziska mit einem festen Händedruck und verließ somit nicht unhöflich aber ohne großes Federlesen die Wohnung. Unten auf der Straße holte Fred ihn ein: „Man, warum bist Du nicht noch geblieben, es lief doch gerade so gut zwischen dir und Franziska“ – „Das ist doch echt ne Süße“ fügte die kleine Kölnerin mit ihrer Piepsstimme ein und wippte auf ihren Füßen. Johannes schaute die beiden an. „Macht das nie wieder“ sagte er mit fester Stimme, drehte sich um und ging sich ein Taxi suchen.
Dienstag, 10. April 2007
Sonntag, 4. Februar 2007
Sandra
Er küsste sie auf die Nase. Sie lag neben ihm in ihrem Bett unter dem Dachfenster, das sich direkt über ihrem Bett befand. Es war warm draußen, Vögel zwitscherten und die Strahlen der Frühlingssonne spielten auf ihrer Haut und schienen sich in ihrem Bauchnabel zu sammeln. Sie hatte die Augen geschlossen und lächelte leicht als sie seine Lippen spürte. Dann kräuselte sie ihre Nase und sagte: „lass dass, Du Doofi“. Johannes lag auf der Seite, seinen Kopf auf den Arm gestützt und betrachtete sie. So wie sie da lag war sie wunderschön, das Bettlacken um ihre Hüften geschwungen, die Arme hinter ihrem Kopf verschränkt, so dass sich ihre Brüste nach außen wölbten. Ihren Kopf hatte sie ihm leicht zugeneigt, einige Strähnen waren ihr ins Gesicht gefallen. Er konnte es nicht lassen und strich sie ihr aus dem Gesicht, führte dann die Finger über ihren Mund an ihr Kinn. Immer weiter ließ er den Finger gleiten, den Hals entlang zwischen ihren Brüsten hindurch, zeichnete dann die Konturen ihres Bauches nach, führte seinen Finger wieder nach oben, bis er oben an ihre Brust stieß. Sie schnurrte leise und er lachte. Küsste sie wieder, diesmal auf ihre Brust. Er fühlte sich wohl, leicht, unbeschwert, es ging ihm gut – so gut wie schon lange nicht mehr. Er lag hier mit ihr in ihrem großen Bett und genoss es einfach neben ihr aufzuwachen.
Gestern waren sie zusammen unterhalb der Bavaria auf einer Kamelhaardecke gesessen, hatten sich unterhalten, gelacht und dabei zwei Flaschen herrlich kalten Weißwein getrunken. Es kam wie es kommen musste, irgendwann saßen sie nicht mehr, sondern lagen auf der Decke. Und gerade als sie alle Viere von sich streckten, kam die kalte Dusche. Da der Frühling sich noch nicht so richtig entscheiden konnte, den Sommer durchzulassen, hatte es natürlich prompt angefangen zu regnen. Sie folgten aber nicht dem Impuls, sich ins rettende Trocken einer der umliegenden Kneipen zu flüchten, sondern verzogen sich lachend unter die Decke. Da saßen sie dann, knutschten wild, tranken die letzten Reste Wein und versuchten ihre Körper irgendwie in eine Kombination zu bringen, in der kein Körperteil übermäßig nass wurde, die sie es aber gleichzeitig länger als eine halbe Minute aushielten ohne einen Krampf zu bekommen. Sollte sich da noch irgendjemand in der Dämmerung herumgetrieben haben, dem musste sich ein äußerst absonderliches Bild dargeboten haben: Eine Haufen Kamelhaardecke, der begleitet von leicht hysterischem Kichern und Lachen die ganze Zeit die Ausbeulungen wechselte. Schließlich war es Ihnen doch zu kalt geworden und sie waren in ihre Wohnung geflüchtet. Die Nacht war wie immer toll gewesen, voll von unbeschwertem, verspieltem, leidenschaftlichen Sex, so wie sie ihn nun schon seit einigen Wochen miteinander teilten. Nun lag er neben ihr und sah, wie sich ihr Bauch ruhig hob und senkte.
Er war Sandra in einem dieser unzähligen Singleforen begegnet, in denen er mittlerweile Mitglied war. Es war fast so etwas wie das abgrasen von Weideland, man durchstöberte ein Forum für eine Weile und wenn einem dann nach gewisser Zeit ständig dieselben Gesichter begegneten, zog man weiter ins nächste Onlineportal. Hatte man dort auch genügend gesehen, ging man wieder zurück zu dem ersten um nachzusehen, ob sich die Zusammensetzung mittlerweile irgendwie verändert hatte, sich dort andere Leute aufhielten – genauer gesagt natürlich andere Frauen, denn mit Männern kam man in diesen Foren so gut wie nie in Kontakt, das war sozusagen die dunkle Seite des Mondes. Sandra war ebenfalls auf diesem Streifzug gewesen und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich in irgendeinem Forum über den Weg liefen. Nach einigem Hin und Her schreiben verabredeten sie sich. Komischerweise hatte auf das Date gar keine Lust gehabt, hatte sich aber dennoch verabredet. Sie hatte ihm geschrieben, dass sie Krankenschwester sei und diese Berufsbezeichnung war ihm so bieder klassisch vorgekommen, dass er sich sicher war, dass ihm ein langweiliger Abend bevorstand. „Tja, nicht ohne Grund habe ich in meinem Profil großkotzig ‚Akademiker’ stehen, ich habe wohl doch ein Statusproblem“ dachte sich Johannes und lächelte, während er immer noch Sandra betrachtete. An diesem Abend hatte sich mal wieder sein ganz eigener kleiner Voodoo-Zauber bestätigt: wenn er damit rechnete, dass es ein schöner Abend wurde, aufgeregt zu einem Date ging, war er von der Realität meistens schnell ziemlich ernüchtert. Rechnete er aber damit, sich zu langweilen und verfluchte sich auf dem Weg zum Treffpunkt, nicht den Mut gehabt zu haben, einfach abzusagen und stattdessen den Abend auf dem Sofa zu verbringen, so erwartete ihn meistens ein erfreulicher, unterhaltsamer Abend. Dieses eherne Gesetz durchzog sein Leben. Auch an der Uni waren die Lehrveranstaltungen immer die besten, bei denen er mit weichen Knien vor die Studenten trat. Wenn er hingegen locker flockig und entspannt in das Seminar hinein ging, führte irgendeine komische Dynamik dazu, dass ihm die Veranstaltung um die Ohren flog. Manchmal versuchte er mit Absicht die Erwartungen kellertief zu hängen, möglichst ein schlechtes, komisches Gefühl zu entwickeln um den Lohn in Form einer angenehmen Überraschung einfahren zu können – was natürlich nicht klappte, so clever war das Leben schon lange.
Er hatte zehn Minuten auf Sandra warten müssen – das übliche Spiel bei Dates, Herr hatte pünktlich zu sein, Dame hatte das Recht zu spät zu kommen. Später hatte sie ihm erzählt, dass sie, als sie das Cafe betrat und ihn da sitzen sah wie er auf seinem Handy herum tippte, empört dachte: „Mein Gott, ist der denn überhaupt nicht aufgeregt?“ Das war er tatsächlich nicht gewesen.
Wobei, dachte sich Johannes, die meisten Dates waren so ziemlich genau fünf Minuten lang aufregend: Das war die Zeitspanne zwischen verlassen der U-Bahn und dem Augenblick, in dem man den anderen vor irgend einer Kneipe, in der man sich verabredet hatte, ungefähr fünf Sekunden in die Augen geschaut hatte. Falsch! Korrekterweise musste man natürlich sagen, dass es in der Regel 15 Minuten waren, aber eben nur weil die Dame meistens 10 Minuten zu spät kam. Es war wirklich verblüffend wie kurz der Augenblick war, in dem man feststellte, dass das gegenüber „ganz nett“ aber eben auch nur „ganz nett“ war. Das war in der Tat eine Frage von Sekunden und ab dem Moment waren die meisten Dates nicht mehr aufregend, sondern im besten Fall amüsant, im ungünstigeren langweilig oder gar nervtötend.
Als Sandra an seinen Tisch trat, war er aber tatsächlich angenehm überrascht – der Voodoo-Zauber hatte funktioniert. Er wusste nicht mehr, worüber sie gesprochen hatten, er wusste nur noch, dass er sich von Anfang an wohl mit ihr gefühlt hatte, immer wieder versucht hatte, Körperkontakt zu ihr herzustellen und sie dem den ganzen Abend charmant ausgewichen war. Sie hatte irgendeinen Cocktail getrunken, den sie nicht vertrug, da er Ananassaft enthielt, so dass ihr relativ schnell schlecht wurde. Komischerweise war das aber irgendwie äußerst lustig gewesen, sie hatten sich darüber göttlich amüsiert und schlechte Witze gerissen. „Ich dachte, der Alkohol würde die allergische Wirkung der Ananas abtöten“ hatte sie gesagt und er lachte herzlich über diese medizinische Naivität einer Krankenschwester. Irgendwann hatte er sie dann nach Hause gebracht, nicht ohne ihr wenigstens einige Küsse abgerungen zu haben. Dem ersten Treffen waren weitere gefolgt und schließlich waren sie auch miteinander in ihrem Bett gelandet.
Johannes fuhr mit seiner Hand über ihr Gesicht und sie schnurrte wieder. Sie war wunderschön, sie hatte einen umwerfenden Humor, emotionale Reife und eine tolle Ausstrahlung. Und sie liebte ihn nicht, genauso wenig wie er sie liebte. Sie hatten es relativ schnell festgestellt, trotz aller Anziehung, trotz aller Zuneigung, trotz aller Verbindung, die sie zueinander empfanden, sie waren einfach beide nicht verliebt. Sie waren viel eher wie Bruder und Schwester, nur dass sie regelmäßig miteinander schliefen.
Es war eine gelungene und gut funktionierende Affäre, wie es sie selten gab. Dieser irgendwie nicht ganz einfach zu stabilisierende Zustand zwischen Freundschaft und Beziehung, in dem alles jeden Tag neu ausgehandelt werden musste, einfach weil es keine Routinen, keine Selbstverständlichkeiten, keine Ansprüche gab. Wenn man befreundet war, so war klar, wie man sich begegnete. Wenn man eine Beziehung hatte, auch. Aber Affären waren das Dazwischen, das klare Unklare, das sichere Unsichere. Wie eine Kugel oben auf einer Kuppe, von der nicht klar war, auf welche Seite sie schließlich rollen würde, von der man aber wusste, dass sie nicht lange oben liegen bleiben wird. Affären gingen nie lange gut, einfach weil sie instabil waren. Wenn man dies aber wusste, so konnte man sie früh genug beenden um das Verhältnis, die Zuneigung zueinander zu retten. Auch Sandra und er würden eines Tages beschließen müssen, was das da zwischen ihnen war, es in einen verlässlichen Zustand überführen, sei es nun Freundschaft oder Beziehung. Solange genossen sie aber beide die Leichtigkeit, die mit dieser Form der Begegnung verbunden war. Er hatte einige Männer kennen gelernt, für die ein One Night Stand als die Krönung männlicher Eroberungskunst galt. Das hatte Johannes noch nie verstanden, denn für ihn bedeutete ein One Night Stand ganz einfach, dass der Sex so schlecht war, dass man keine Lust hatte, ihn zu wiederholen. Affären waren da anders, man teilte das, was man teilen wollte und versuchte alles andere möglichst lange draußen zu halten. Das verbindende Prinzip war Offenheit. Nicht Unverbindlichkeit, wie viele meinten. Denn die Verbindlichkeit bestand eben darin, ehrlich und offen zu sein, dem anderen mitzuteilen, wo man selber stand, im Gespräch zu bleiben, nicht unbedingt verbal, sondern eher durch Gesten, Handlungen, Schritte auf den anderen zu oder wieder von ihm weg. Es war eine der ehrlichsten Beziehungsformen. Aber auch nicht unbedingt die Wünschenswerteste. Denn auch das war sowohl Sandra wie auch ihm klar: sobald einer von beiden eine andere Person treffen würde, bei der Verliebtheit ins Spiel käme, wäre ihre Affäre von einem Tag auf den nächsten beendet. Love first sozusagen. Johannes beobachtete wie die Sonnenstrahlen auf Ihrem Gesicht tanzten. Es hatte Momente gegeben in den letzten Wochen, da hatte er gedacht, es könne vielleicht doch gehen. Gerade wenn sie sich einige Tage nicht gesehen hatten und er an sie dachte, hoffte er, doch so etwas wie Verliebtheit zu spüren, wenn sie sich sehen würden. Hielt er sie in den Armen und küsste er sie, spürte er es aber immer wieder so klar, dass es schon fast Brutal war: er liebte diese Frau nicht.
Es würde ihn treffen, wenn sie eines Tages einen anderen Mann lieben würde, nicht nur aus Eitelkeit, nein, sondern weil er sie wirklich mochte. Aber gerade weil er sie mochte, würde er es ihr auch aus vollem Herzen gönnen. Es wäre ihm nicht egal, aber es wäre okay. Vielleicht würden sie sich für eine Weile nicht mehr sehen um dann noch mal zu beginnen. Sicher wäre es sonderbar, sich zu treffen ohne die Intimität, die sie nun schon seit einigen Wochen miteinander teilten. Aber sie würden das miteinander hinbekommen, das wusste Johannes.
Sandra atmete aus, öffnete die Augen und lächelte ihn an. Johannes küsste sie auf die Stirn. „Schau mich mal nicht so verliebt an“ sagte er lächelnd.
[Diese Geschichte ist ein Produkt der Phantasie. Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen unterliegen ebenfalls der dichterischen Freiheit.]
Gestern waren sie zusammen unterhalb der Bavaria auf einer Kamelhaardecke gesessen, hatten sich unterhalten, gelacht und dabei zwei Flaschen herrlich kalten Weißwein getrunken. Es kam wie es kommen musste, irgendwann saßen sie nicht mehr, sondern lagen auf der Decke. Und gerade als sie alle Viere von sich streckten, kam die kalte Dusche. Da der Frühling sich noch nicht so richtig entscheiden konnte, den Sommer durchzulassen, hatte es natürlich prompt angefangen zu regnen. Sie folgten aber nicht dem Impuls, sich ins rettende Trocken einer der umliegenden Kneipen zu flüchten, sondern verzogen sich lachend unter die Decke. Da saßen sie dann, knutschten wild, tranken die letzten Reste Wein und versuchten ihre Körper irgendwie in eine Kombination zu bringen, in der kein Körperteil übermäßig nass wurde, die sie es aber gleichzeitig länger als eine halbe Minute aushielten ohne einen Krampf zu bekommen. Sollte sich da noch irgendjemand in der Dämmerung herumgetrieben haben, dem musste sich ein äußerst absonderliches Bild dargeboten haben: Eine Haufen Kamelhaardecke, der begleitet von leicht hysterischem Kichern und Lachen die ganze Zeit die Ausbeulungen wechselte. Schließlich war es Ihnen doch zu kalt geworden und sie waren in ihre Wohnung geflüchtet. Die Nacht war wie immer toll gewesen, voll von unbeschwertem, verspieltem, leidenschaftlichen Sex, so wie sie ihn nun schon seit einigen Wochen miteinander teilten. Nun lag er neben ihr und sah, wie sich ihr Bauch ruhig hob und senkte.
Er war Sandra in einem dieser unzähligen Singleforen begegnet, in denen er mittlerweile Mitglied war. Es war fast so etwas wie das abgrasen von Weideland, man durchstöberte ein Forum für eine Weile und wenn einem dann nach gewisser Zeit ständig dieselben Gesichter begegneten, zog man weiter ins nächste Onlineportal. Hatte man dort auch genügend gesehen, ging man wieder zurück zu dem ersten um nachzusehen, ob sich die Zusammensetzung mittlerweile irgendwie verändert hatte, sich dort andere Leute aufhielten – genauer gesagt natürlich andere Frauen, denn mit Männern kam man in diesen Foren so gut wie nie in Kontakt, das war sozusagen die dunkle Seite des Mondes. Sandra war ebenfalls auf diesem Streifzug gewesen und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich in irgendeinem Forum über den Weg liefen. Nach einigem Hin und Her schreiben verabredeten sie sich. Komischerweise hatte auf das Date gar keine Lust gehabt, hatte sich aber dennoch verabredet. Sie hatte ihm geschrieben, dass sie Krankenschwester sei und diese Berufsbezeichnung war ihm so bieder klassisch vorgekommen, dass er sich sicher war, dass ihm ein langweiliger Abend bevorstand. „Tja, nicht ohne Grund habe ich in meinem Profil großkotzig ‚Akademiker’ stehen, ich habe wohl doch ein Statusproblem“ dachte sich Johannes und lächelte, während er immer noch Sandra betrachtete. An diesem Abend hatte sich mal wieder sein ganz eigener kleiner Voodoo-Zauber bestätigt: wenn er damit rechnete, dass es ein schöner Abend wurde, aufgeregt zu einem Date ging, war er von der Realität meistens schnell ziemlich ernüchtert. Rechnete er aber damit, sich zu langweilen und verfluchte sich auf dem Weg zum Treffpunkt, nicht den Mut gehabt zu haben, einfach abzusagen und stattdessen den Abend auf dem Sofa zu verbringen, so erwartete ihn meistens ein erfreulicher, unterhaltsamer Abend. Dieses eherne Gesetz durchzog sein Leben. Auch an der Uni waren die Lehrveranstaltungen immer die besten, bei denen er mit weichen Knien vor die Studenten trat. Wenn er hingegen locker flockig und entspannt in das Seminar hinein ging, führte irgendeine komische Dynamik dazu, dass ihm die Veranstaltung um die Ohren flog. Manchmal versuchte er mit Absicht die Erwartungen kellertief zu hängen, möglichst ein schlechtes, komisches Gefühl zu entwickeln um den Lohn in Form einer angenehmen Überraschung einfahren zu können – was natürlich nicht klappte, so clever war das Leben schon lange.
Er hatte zehn Minuten auf Sandra warten müssen – das übliche Spiel bei Dates, Herr hatte pünktlich zu sein, Dame hatte das Recht zu spät zu kommen. Später hatte sie ihm erzählt, dass sie, als sie das Cafe betrat und ihn da sitzen sah wie er auf seinem Handy herum tippte, empört dachte: „Mein Gott, ist der denn überhaupt nicht aufgeregt?“ Das war er tatsächlich nicht gewesen.
Wobei, dachte sich Johannes, die meisten Dates waren so ziemlich genau fünf Minuten lang aufregend: Das war die Zeitspanne zwischen verlassen der U-Bahn und dem Augenblick, in dem man den anderen vor irgend einer Kneipe, in der man sich verabredet hatte, ungefähr fünf Sekunden in die Augen geschaut hatte. Falsch! Korrekterweise musste man natürlich sagen, dass es in der Regel 15 Minuten waren, aber eben nur weil die Dame meistens 10 Minuten zu spät kam. Es war wirklich verblüffend wie kurz der Augenblick war, in dem man feststellte, dass das gegenüber „ganz nett“ aber eben auch nur „ganz nett“ war. Das war in der Tat eine Frage von Sekunden und ab dem Moment waren die meisten Dates nicht mehr aufregend, sondern im besten Fall amüsant, im ungünstigeren langweilig oder gar nervtötend.
Als Sandra an seinen Tisch trat, war er aber tatsächlich angenehm überrascht – der Voodoo-Zauber hatte funktioniert. Er wusste nicht mehr, worüber sie gesprochen hatten, er wusste nur noch, dass er sich von Anfang an wohl mit ihr gefühlt hatte, immer wieder versucht hatte, Körperkontakt zu ihr herzustellen und sie dem den ganzen Abend charmant ausgewichen war. Sie hatte irgendeinen Cocktail getrunken, den sie nicht vertrug, da er Ananassaft enthielt, so dass ihr relativ schnell schlecht wurde. Komischerweise war das aber irgendwie äußerst lustig gewesen, sie hatten sich darüber göttlich amüsiert und schlechte Witze gerissen. „Ich dachte, der Alkohol würde die allergische Wirkung der Ananas abtöten“ hatte sie gesagt und er lachte herzlich über diese medizinische Naivität einer Krankenschwester. Irgendwann hatte er sie dann nach Hause gebracht, nicht ohne ihr wenigstens einige Küsse abgerungen zu haben. Dem ersten Treffen waren weitere gefolgt und schließlich waren sie auch miteinander in ihrem Bett gelandet.
Johannes fuhr mit seiner Hand über ihr Gesicht und sie schnurrte wieder. Sie war wunderschön, sie hatte einen umwerfenden Humor, emotionale Reife und eine tolle Ausstrahlung. Und sie liebte ihn nicht, genauso wenig wie er sie liebte. Sie hatten es relativ schnell festgestellt, trotz aller Anziehung, trotz aller Zuneigung, trotz aller Verbindung, die sie zueinander empfanden, sie waren einfach beide nicht verliebt. Sie waren viel eher wie Bruder und Schwester, nur dass sie regelmäßig miteinander schliefen.
Es war eine gelungene und gut funktionierende Affäre, wie es sie selten gab. Dieser irgendwie nicht ganz einfach zu stabilisierende Zustand zwischen Freundschaft und Beziehung, in dem alles jeden Tag neu ausgehandelt werden musste, einfach weil es keine Routinen, keine Selbstverständlichkeiten, keine Ansprüche gab. Wenn man befreundet war, so war klar, wie man sich begegnete. Wenn man eine Beziehung hatte, auch. Aber Affären waren das Dazwischen, das klare Unklare, das sichere Unsichere. Wie eine Kugel oben auf einer Kuppe, von der nicht klar war, auf welche Seite sie schließlich rollen würde, von der man aber wusste, dass sie nicht lange oben liegen bleiben wird. Affären gingen nie lange gut, einfach weil sie instabil waren. Wenn man dies aber wusste, so konnte man sie früh genug beenden um das Verhältnis, die Zuneigung zueinander zu retten. Auch Sandra und er würden eines Tages beschließen müssen, was das da zwischen ihnen war, es in einen verlässlichen Zustand überführen, sei es nun Freundschaft oder Beziehung. Solange genossen sie aber beide die Leichtigkeit, die mit dieser Form der Begegnung verbunden war. Er hatte einige Männer kennen gelernt, für die ein One Night Stand als die Krönung männlicher Eroberungskunst galt. Das hatte Johannes noch nie verstanden, denn für ihn bedeutete ein One Night Stand ganz einfach, dass der Sex so schlecht war, dass man keine Lust hatte, ihn zu wiederholen. Affären waren da anders, man teilte das, was man teilen wollte und versuchte alles andere möglichst lange draußen zu halten. Das verbindende Prinzip war Offenheit. Nicht Unverbindlichkeit, wie viele meinten. Denn die Verbindlichkeit bestand eben darin, ehrlich und offen zu sein, dem anderen mitzuteilen, wo man selber stand, im Gespräch zu bleiben, nicht unbedingt verbal, sondern eher durch Gesten, Handlungen, Schritte auf den anderen zu oder wieder von ihm weg. Es war eine der ehrlichsten Beziehungsformen. Aber auch nicht unbedingt die Wünschenswerteste. Denn auch das war sowohl Sandra wie auch ihm klar: sobald einer von beiden eine andere Person treffen würde, bei der Verliebtheit ins Spiel käme, wäre ihre Affäre von einem Tag auf den nächsten beendet. Love first sozusagen. Johannes beobachtete wie die Sonnenstrahlen auf Ihrem Gesicht tanzten. Es hatte Momente gegeben in den letzten Wochen, da hatte er gedacht, es könne vielleicht doch gehen. Gerade wenn sie sich einige Tage nicht gesehen hatten und er an sie dachte, hoffte er, doch so etwas wie Verliebtheit zu spüren, wenn sie sich sehen würden. Hielt er sie in den Armen und küsste er sie, spürte er es aber immer wieder so klar, dass es schon fast Brutal war: er liebte diese Frau nicht.
Es würde ihn treffen, wenn sie eines Tages einen anderen Mann lieben würde, nicht nur aus Eitelkeit, nein, sondern weil er sie wirklich mochte. Aber gerade weil er sie mochte, würde er es ihr auch aus vollem Herzen gönnen. Es wäre ihm nicht egal, aber es wäre okay. Vielleicht würden sie sich für eine Weile nicht mehr sehen um dann noch mal zu beginnen. Sicher wäre es sonderbar, sich zu treffen ohne die Intimität, die sie nun schon seit einigen Wochen miteinander teilten. Aber sie würden das miteinander hinbekommen, das wusste Johannes.
Sandra atmete aus, öffnete die Augen und lächelte ihn an. Johannes küsste sie auf die Stirn. „Schau mich mal nicht so verliebt an“ sagte er lächelnd.
[Diese Geschichte ist ein Produkt der Phantasie. Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen unterliegen ebenfalls der dichterischen Freiheit.]
Dienstag, 23. Januar 2007
Isar
Johannes saß am Ufer der Isar und scharrte mit dem rechten Fuß in den kleinen Kieselsteinen die zwischen den großen Steinen lagen. Er fuhr mit seinem Schuh vor und zurück, so dass eine Spur entstand, die er dann mit einer Linksbewegung seines Fußes wieder zuschüttete. Dabei starrte er auf das vorbeilaufende Wasser. Es hatte in den letzten Tagen geregnet, so dass das Wasser trübe war. Hin und wieder schwamm ein kleiner Ast oder einige Blätter vorbei. Das Rauschen klang in seinen Ohren. Es war einer dieser Momente wie er sie in den letzten Jahren schon öfters erlebt hatte. Momente in denen er glaubte, zur Vernunft zu kommen, in denen er sich schwor, diesen ganzen sinnlosen Scheiß einfach sein zu lassen. Es stand in jedem Ratgeber drin und auch seine Freunde und er selbst trugen es wie ein Mantra vor sich her: Es passierte dann, wenn man es am wenigsten erwartete. Man durfte auf keinen Fall danach suchen.
Johanna hatte ihren Golflehrer in dem Moment kennen gelernt, in dem sie sich geschworen hatte, nicht ständig mit Männern ins Bett zu gehen, die auf ihren freien und selbstverständlichen Umgang mit Sex abfuhren aber nicht auf sie. Auch ihn hatte sie von einem Moment auf den Nächsten aus Ihrem Bett geworfen und so sehr er das bedauerte, er hatte sie für die Konsequenz ihres Lebenswandels bewundert.
Juli hatte ihn damals wegen eines Typen verlassen, den sie beim Rucksackkauf kennen gelernt hatte. Sie waren sich zweimal an einem Nachmittag in unterschiedlichen Outdoor-Läden begegnet und er hatte sie schließlich mit auf seine Kreditkarte genommen, da ihr Bargeld nicht reichte. Der anschließende gemeinsame Gang zum Geldautomat hatte ausgereicht, mittlerweile waren die beiden verheiratet, lebten irgendwo im Umland und hatten zwei Kinder.
Oder auch Frank. Er hatte seine Frau kennen gelernt, weil sie seinen Schadensfall bei der Versicherung fehlerhaft bearbeitet hatte. So hatte er mehrmals mit ihr telefoniert, zu erst im Streit, dann immer mehr in freundlichen und herzlichen Ton und schließlich hat er die Chance genutzt und die letzten fehlenden Unterlagen selbst in die Schadensregulierung gebracht, auch wenn die in Ulm saß – von Berlin aus eine weite Strecke.
Man durfte nicht danach suchen, nein, es war fast wie beim Mikado: wer sich bewegte hatte verloren. Johannes Problem war nur, dass er mit dem Suchen nicht aufhören konnte. Er hatte es versucht, bei Gott ja, es war nicht das erste Mal das er das Gefühl hatte aufzuwachen, dass er sich schwor, sich jetzt mal endlich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Zwischen ihm und Fred war es mittlerweile bereits ein running gag, wenn einer von beiden sagte: „komm lass uns die Frauen vergessen, wir machen mal mehr in Kultur“. Den Vorsatz hatten sie schon seit über einem Jahr und er war in dieser Zeit ein einziges Mal im Theater gewesen – mit einem Date. Und wenn er Anja wieder eine Mail schrieb, in der er Stein und Bein schwor, nun endlich mal aufzuhören mit dem Internetdating, es habe ja alles keinen Sinn, schreib sie mittlerweile nur noch lakonisch zurück: „bis nächste Woche“.
Johannes nahm ein paar Kiesel in die Hand und begann damit nach einer leeren Zigarettenschachtel zu werfen. Er verstand es selbst nicht, er verstand nicht, warum er so getrieben war von dem Wunsch, eine Frau kennen zu lernen, eine Beziehung zu haben, endlich nicht mehr alleine zu sein. Es war albern, er war überhaupt nicht alleine. Kaum ein Abend, an dem er nicht mit Menschen unterwegs war, die er wirklich gerne hatte. Kaum ein Tag an dem er nicht irgend einen kleinen netten Flirt hatte, und war es auch nur ein flüchtiger Blick beim Betreten der Bar, ein schnelles Lächeln dieses unmerkliche Weiten der Pupillen des Gegenübers, an dem man sich erkannte und mit dem sich gegenseitig zu verstehen gab, dass man sich gesehen und gefallen hatte. Er bekam Komplimente, freundliche Gesten und herzliche Umarmungen, er hatte hin und wieder guten, unverkrampften Sex mit attraktiven Frauen, mit denen er anschließend gemeinsam frühstückte. Dennoch war da diese Sehnsucht, die ihn voran trieb, die ihn durch die Nacht schweifen ließ, die dazu führte dass er keiner Frau begegnen konnte, ohne innerlich zumindest kurz die Frage anzudiskutieren, ob da mehr daraus werden könnte.
Er hasste das. Und er hasste seine Tagträume. Vor wenigen Wochen war er für eine kurze Zeit mit einer südosteuropäischen Schönheit ausgegangen, die, zweifellos sehr attraktiv, aber in keinster Weise auf seiner Wellenlänge lag. Die Gespräche waren mühsam und stockend verlaufen, dennoch hatte er bereits nach seinem ersten Date mit ihr von einer großen albanischen Hochzeit geträumt, hatte sich überlegt, wie es wohl wäre, mit ihr Kinder zu haben, wie er sie seinen Brüdern vorstellen würde und wie ihn seine zukünftige Schwiegermutter umarmen und herzen würde und anschließend irgendwas von Hammelfett triefendes serviert hätte. Johannes nahm eine neue Hand voll Steine, und lies sie sich durch die Hände gleiten. So lächerlich ihm diese Träume vorkamen, wenn er ehrlich war, waren sie Ausdruck seiner Sehnsucht. Aber nach was denn verdammt? Danach endlich nicht mehr der Single zu sein?
Vor drei Wochen hatte er wieder Tobias und Heidrun besucht, alte Freunde aus Berlin, die nun mit ihren beiden Töchtern im Süddeutschen lebten. Eine der Töchter hatte ihren Klassenkameradinnen erzählt, das sei Johannes, der habe ein grünes Auto aber keine Frau. Er war also der wunderliche Onkel? Johannes dachte an seine allein stehenden Tanten, die ihm als Kind immer sehr eigenartig vorgekommen waren, Ausnahmeerscheinungen, sonderbare Launen der Natur. Heute gab es zwar viele Gründe dafür anzunehmen, dass Tante Inge und Tante Beate gar nicht so allein stehend waren, sondern ein glückliches wenn auch verwandtschaftlich totgeschwiegenes Paar. Damals jedoch waren sie ihm einfach wie die Abweichung von der selbstverständlichen und gesunden Norm vorgekommen. Wunderlich eben.
Man durfte nicht suchen, dann fügt sich schon alles. Johannes erwischte sich hin und wieder dabei, wie er versuchte, sich selbst hinters Licht zu führen, in dem er Nichtsuchen zu Suchstrategie erhob. Er redete sich selbst und anderen ein, gar nicht zu suchen, mit dem Thema durch zu sein und sich nun einfach mit anderen Dingen zu beschäftigen. Dann wartete er aber innerlich unruhig darauf, dass sich nun der versprochene Preis fürs Nichtsuchen endlich einstellen würde. Es war ihm schlichtweg unmöglich mit dem Suchen aufzuhören. Auch weil er dann das Gefühl hätte, zu resignieren. Er hatte so viele Menschen kennen gelernt, die sich in ihr Schneckenhaus zurückzogen. Männer, die sich in Zynismus badeten. Frauen, die jedem der Ihnen über den Weg lief solange übelste Motive unterstellten, bis die Bewerber entnervt aufgaben und dann in triumphierendes Geheul ausbrachen. Eine Frau hatte ihm mal auf sein freundlich gemeintes Kompliment, er fände Sie wirklich interessant nur geantwortet: „das gibt sich“. Er wollte sich einfach nicht damit abfinden, dass man nicht suchen und finden konnte.
Und so suchte er nun schon seit Monaten, nein es waren sogar Jahre. Wie bei einer Schuppenflechte, bei der die Haut nicht in der Lage ist, eine gesunde Oberfläche zu bilden, da sie ständig und in völlig überhöhtem Tempo Hautpartikel erzeugte, so produzierte er seit Jahren Beziehungsfragmente, die haltlos im Nichts verschwanden. Begegnungen, deren lose Enden unverknüpft liegen blieben. Immer wieder aufs neue stürzte er sich in Bekanntschaften, lernte er Frauen kennen, bewegte sich auf sie zu, hielt ihnen die Hand hin, streifte ihren Arm, küsste sie, verlor sie. Jedes mal ein kleines Drama. Es war nicht so, dass er abgehärtet war oder routiniert. Nein, jede dieser Begegnungen war für ihn echt, aufregend, offen, möglich und ernst gemeint. Dennoch kamen sie mittlerweile mit einer solchen hohen Taktzahl in seinem Leben vor, dass er oft mehrere Begegnungen nebeneinander her laufen hatte, dass er gar nicht darauf wartete, dass die eine Geschichte zu einem Ende fand, bevor er die nächste Begann. Komischerweise hatte er dabei auch gar nicht dass Gefühl, unehrlich zu sein, es ging ihm auch nicht strategisch darum, immer mehrere Eisen im Feuer zu haben. Es war nur eben so, dass die Dinge begannen, sich ineinander zu schieben, wie die Hautschuppen, die sich gegenseitig überlagerten und somit haltlos wurden. Johannes stand auf. Es fröstelte ihn. Er hob seinen Kopf und schaute in den grauen Herbsthimmel. Er sog die feuchte Luft und hielt den Atem an. Dann ließ er sie stoßweise entweichen. Er wusste dass er damit aufhören sollte. Und er wusste, dass er es nicht tun würde.
[Diese Geschichte ist ein Produkt der Phantasie. Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen unterliegen ebenfalls der dichterischen Freiheit.]
Johanna hatte ihren Golflehrer in dem Moment kennen gelernt, in dem sie sich geschworen hatte, nicht ständig mit Männern ins Bett zu gehen, die auf ihren freien und selbstverständlichen Umgang mit Sex abfuhren aber nicht auf sie. Auch ihn hatte sie von einem Moment auf den Nächsten aus Ihrem Bett geworfen und so sehr er das bedauerte, er hatte sie für die Konsequenz ihres Lebenswandels bewundert.
Juli hatte ihn damals wegen eines Typen verlassen, den sie beim Rucksackkauf kennen gelernt hatte. Sie waren sich zweimal an einem Nachmittag in unterschiedlichen Outdoor-Läden begegnet und er hatte sie schließlich mit auf seine Kreditkarte genommen, da ihr Bargeld nicht reichte. Der anschließende gemeinsame Gang zum Geldautomat hatte ausgereicht, mittlerweile waren die beiden verheiratet, lebten irgendwo im Umland und hatten zwei Kinder.
Oder auch Frank. Er hatte seine Frau kennen gelernt, weil sie seinen Schadensfall bei der Versicherung fehlerhaft bearbeitet hatte. So hatte er mehrmals mit ihr telefoniert, zu erst im Streit, dann immer mehr in freundlichen und herzlichen Ton und schließlich hat er die Chance genutzt und die letzten fehlenden Unterlagen selbst in die Schadensregulierung gebracht, auch wenn die in Ulm saß – von Berlin aus eine weite Strecke.
Man durfte nicht danach suchen, nein, es war fast wie beim Mikado: wer sich bewegte hatte verloren. Johannes Problem war nur, dass er mit dem Suchen nicht aufhören konnte. Er hatte es versucht, bei Gott ja, es war nicht das erste Mal das er das Gefühl hatte aufzuwachen, dass er sich schwor, sich jetzt mal endlich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Zwischen ihm und Fred war es mittlerweile bereits ein running gag, wenn einer von beiden sagte: „komm lass uns die Frauen vergessen, wir machen mal mehr in Kultur“. Den Vorsatz hatten sie schon seit über einem Jahr und er war in dieser Zeit ein einziges Mal im Theater gewesen – mit einem Date. Und wenn er Anja wieder eine Mail schrieb, in der er Stein und Bein schwor, nun endlich mal aufzuhören mit dem Internetdating, es habe ja alles keinen Sinn, schreib sie mittlerweile nur noch lakonisch zurück: „bis nächste Woche“.
Johannes nahm ein paar Kiesel in die Hand und begann damit nach einer leeren Zigarettenschachtel zu werfen. Er verstand es selbst nicht, er verstand nicht, warum er so getrieben war von dem Wunsch, eine Frau kennen zu lernen, eine Beziehung zu haben, endlich nicht mehr alleine zu sein. Es war albern, er war überhaupt nicht alleine. Kaum ein Abend, an dem er nicht mit Menschen unterwegs war, die er wirklich gerne hatte. Kaum ein Tag an dem er nicht irgend einen kleinen netten Flirt hatte, und war es auch nur ein flüchtiger Blick beim Betreten der Bar, ein schnelles Lächeln dieses unmerkliche Weiten der Pupillen des Gegenübers, an dem man sich erkannte und mit dem sich gegenseitig zu verstehen gab, dass man sich gesehen und gefallen hatte. Er bekam Komplimente, freundliche Gesten und herzliche Umarmungen, er hatte hin und wieder guten, unverkrampften Sex mit attraktiven Frauen, mit denen er anschließend gemeinsam frühstückte. Dennoch war da diese Sehnsucht, die ihn voran trieb, die ihn durch die Nacht schweifen ließ, die dazu führte dass er keiner Frau begegnen konnte, ohne innerlich zumindest kurz die Frage anzudiskutieren, ob da mehr daraus werden könnte.
Er hasste das. Und er hasste seine Tagträume. Vor wenigen Wochen war er für eine kurze Zeit mit einer südosteuropäischen Schönheit ausgegangen, die, zweifellos sehr attraktiv, aber in keinster Weise auf seiner Wellenlänge lag. Die Gespräche waren mühsam und stockend verlaufen, dennoch hatte er bereits nach seinem ersten Date mit ihr von einer großen albanischen Hochzeit geträumt, hatte sich überlegt, wie es wohl wäre, mit ihr Kinder zu haben, wie er sie seinen Brüdern vorstellen würde und wie ihn seine zukünftige Schwiegermutter umarmen und herzen würde und anschließend irgendwas von Hammelfett triefendes serviert hätte. Johannes nahm eine neue Hand voll Steine, und lies sie sich durch die Hände gleiten. So lächerlich ihm diese Träume vorkamen, wenn er ehrlich war, waren sie Ausdruck seiner Sehnsucht. Aber nach was denn verdammt? Danach endlich nicht mehr der Single zu sein?
Vor drei Wochen hatte er wieder Tobias und Heidrun besucht, alte Freunde aus Berlin, die nun mit ihren beiden Töchtern im Süddeutschen lebten. Eine der Töchter hatte ihren Klassenkameradinnen erzählt, das sei Johannes, der habe ein grünes Auto aber keine Frau. Er war also der wunderliche Onkel? Johannes dachte an seine allein stehenden Tanten, die ihm als Kind immer sehr eigenartig vorgekommen waren, Ausnahmeerscheinungen, sonderbare Launen der Natur. Heute gab es zwar viele Gründe dafür anzunehmen, dass Tante Inge und Tante Beate gar nicht so allein stehend waren, sondern ein glückliches wenn auch verwandtschaftlich totgeschwiegenes Paar. Damals jedoch waren sie ihm einfach wie die Abweichung von der selbstverständlichen und gesunden Norm vorgekommen. Wunderlich eben.
Man durfte nicht suchen, dann fügt sich schon alles. Johannes erwischte sich hin und wieder dabei, wie er versuchte, sich selbst hinters Licht zu führen, in dem er Nichtsuchen zu Suchstrategie erhob. Er redete sich selbst und anderen ein, gar nicht zu suchen, mit dem Thema durch zu sein und sich nun einfach mit anderen Dingen zu beschäftigen. Dann wartete er aber innerlich unruhig darauf, dass sich nun der versprochene Preis fürs Nichtsuchen endlich einstellen würde. Es war ihm schlichtweg unmöglich mit dem Suchen aufzuhören. Auch weil er dann das Gefühl hätte, zu resignieren. Er hatte so viele Menschen kennen gelernt, die sich in ihr Schneckenhaus zurückzogen. Männer, die sich in Zynismus badeten. Frauen, die jedem der Ihnen über den Weg lief solange übelste Motive unterstellten, bis die Bewerber entnervt aufgaben und dann in triumphierendes Geheul ausbrachen. Eine Frau hatte ihm mal auf sein freundlich gemeintes Kompliment, er fände Sie wirklich interessant nur geantwortet: „das gibt sich“. Er wollte sich einfach nicht damit abfinden, dass man nicht suchen und finden konnte.
Und so suchte er nun schon seit Monaten, nein es waren sogar Jahre. Wie bei einer Schuppenflechte, bei der die Haut nicht in der Lage ist, eine gesunde Oberfläche zu bilden, da sie ständig und in völlig überhöhtem Tempo Hautpartikel erzeugte, so produzierte er seit Jahren Beziehungsfragmente, die haltlos im Nichts verschwanden. Begegnungen, deren lose Enden unverknüpft liegen blieben. Immer wieder aufs neue stürzte er sich in Bekanntschaften, lernte er Frauen kennen, bewegte sich auf sie zu, hielt ihnen die Hand hin, streifte ihren Arm, küsste sie, verlor sie. Jedes mal ein kleines Drama. Es war nicht so, dass er abgehärtet war oder routiniert. Nein, jede dieser Begegnungen war für ihn echt, aufregend, offen, möglich und ernst gemeint. Dennoch kamen sie mittlerweile mit einer solchen hohen Taktzahl in seinem Leben vor, dass er oft mehrere Begegnungen nebeneinander her laufen hatte, dass er gar nicht darauf wartete, dass die eine Geschichte zu einem Ende fand, bevor er die nächste Begann. Komischerweise hatte er dabei auch gar nicht dass Gefühl, unehrlich zu sein, es ging ihm auch nicht strategisch darum, immer mehrere Eisen im Feuer zu haben. Es war nur eben so, dass die Dinge begannen, sich ineinander zu schieben, wie die Hautschuppen, die sich gegenseitig überlagerten und somit haltlos wurden. Johannes stand auf. Es fröstelte ihn. Er hob seinen Kopf und schaute in den grauen Herbsthimmel. Er sog die feuchte Luft und hielt den Atem an. Dann ließ er sie stoßweise entweichen. Er wusste dass er damit aufhören sollte. Und er wusste, dass er es nicht tun würde.
[Diese Geschichte ist ein Produkt der Phantasie. Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen unterliegen ebenfalls der dichterischen Freiheit.]
Sonntag, 21. Januar 2007
Jo
Sie öffnete ihm die Tür. Trat einen Schritt zurück und sagte dann: „Du bist es also“ Johannes hatte unten am Hauseingang auf ihre durch die Gegensprechanlage gestellte Frage, wer den da sei, nicht geantwortet, weil er sich nicht sicher war, ob sie ihn rein gelassen hätte. Nun stand er verlegen da, starrte auf das „Willkommen“ auf ihrer Fußmatte und fühlte sich alles andere als willkommen. Dann schaute er auf und fragte „Darf ich reinkommen?“ Sie lächelte ihr sybillisches Lächeln aber Johannes kannte sie gut genug um zu wissen, dass in ihr wohl im Moment ein Sturm widersprüchlicher Emotionen tobte. „Klar“ sagte sie schließlich und drehte sich um und ging zurück ins Wohnzimmer.
Johannes trat ein, schüttelte den Schnee von seinen Schultern und nahm seinen Mantel ab, um ihn an die Garderobe zu hängen. Da hing bereits ein Zweiter. Irritiert schaute er zur Wohnzimmertür, aus der leise Jazz-Musik klang. Er hörte ihre Stimme und dann den tiefen Bass eines Mannes, der so etwas fragte wie „wer ist gekommen“? Sie antwortete ihm scheinbar nicht. „Oh Mann“ dachte er sich „Du hättest keinen schlechteren Zeitpunkt wählen können“ Dann ging er zu der Tür und betrat den Raum.
Das Licht war gedämpft, an ihrem Esstisch saß ein gut aussehender Mann, etwa in Johannes Alter und schaute ihn etwas skeptisch aber interessiert an. Die Lasagne stand noch auf dem Tisch, ebenso wie ein Kerzenleuchter, dessen Licht sich in zwei großen Rotweingläsern spiegelte. Ihre Teller waren schon leer, er hatte sie wohl zumindest nicht beim Essen gestört. Katja setze sich wieder an ihren Platz am Tisch, wies auf das Sofa gegenüber an der Wand und sagte „Setz Dich doch“ Johannes zögerte, der Mann griff nach seinem Rotweinglas und schaute ihn unvermindert an. „Mist“ dachte Johannes „Verdammter Mist, Du solltest gehen“. Mit steifen Beinen ging er auf das Sofa zu und setze sich. Sie sah ihn an, der Mann sah ihn an und Johannes spürte, wie unangebracht seine Anwesenheit im Moment war. „Es ist kalt geworden draußen“ sagte er, um überhaupt etwas zu sagen. Die beiden anderen schwiegen, im Hintergrund spielte Dave Brubeck Triolen auf seinem Klavier.
Er wartete einige Momente zu und sagte dann „Gute Platte“. Immer noch schweigen sie, der Mann nickte nur und schaute zu Katja, seine rechte Augenbraue zuckte kaum merklich. „Ich habe Euch hoffentlich nicht gestört“ fuhr Johannes fort. Katja atmete kurz und heftig aus, wenigstens überhaupt eine Reaktion. Der Mann richtete seinen Blick wieder auf Johannes. „Nun etwas schon, wie Du siehst waren wir gerade beim Essen“ sagte er. „So“ sagte Johannes und es klang beiläufig. Er rutschte ganz vor auf die Kante des Sofas, beugte sich nach vorne, legte die Unterarme auf seine Schenkel und drückte seine Fingerspitzen aneinander. Dann schaute er auf die auf dem Couchtisch verteilten Zeitschriften. Katja griff zu ihrem Weinglas und setze es an die Lippen, Dave Brubeck spielte mittlerweile eine etwas ruhigere Melodie. Plötzlich stand der Mann auf und sagte „Ich räume mal die Teller in die Küche“ Katja stellte ihr Weinglas ab und schaute Johannes nun direkt an „Warum bist Du gekommen, merkst Du nicht, dass Du störst?“ Ihre Stimme klang etwas schrill. Der Mann blieb mit den Tellern in der Hand stehen und schaute zu Johannes. „Nun, ich wollte mit Dir reden“ sagte Johannes und fuhr sich mit der Hand an die Nase. „Hättest Du das nicht vor vier Wochen machen können, am Bahnhof, als Du einfach gegangen bist?“
Johannes schwieg, starrte auf die Zeitschriften. Sie hatte recht. Er war ein verdammtes Arschloch gewesen, hatte sie einfach stehen lassen. Er war sich in diesem Moment so sicher gewesen, dass er sie nie wieder sehen wollte und hatte gedacht, es sei bequemer, sich ihren kindlichen Fragen nach dem Wieso nicht zu stellen. War sich männlich und klar vorgekommen, hatte sich in dem Gefühl, sich endlich mal nicht korrekt zu verhalten, gebadet. Mein Gott, dabei müsste er sich mittlerweile besser kennen. Noch nie hatte er es hinbekommen, einfach einen Schnitt zu ziehen, dazu war sein Harmoniebedürfnis viel zu groß. Er schreckte hoch als mehrere Teller auf den Tisch knallten. Der Mann hatte sie mit Wucht zurück gestellt „Kann mir jetzt bitte jemand mal erklären, was hier gerade gespielt wird?“ sagte er laut. Katja sah ihn kurz erschrocken an, dann drehte sie sich zu Johannes und sagte ruhig „Diese Frage gebe ich gerne an Dich weiter“. Johannes schwieg. Was sollte er auch sagen. Er war in einer völlig unpassenden Situation hier reingeschneit, ohne so genau zu wissen, was er hier eigentlich wollte. Nie hätte er damit gerechnet, dass sie Männerbesuch haben könnte. Er war so ein Idiot, sie war 27 und wunderhübsch. Wie kam er nur auf die dumme Idee, er könne der Einzige für sie sein, vor allem nachdem was er sich geleistet hatte. „Johannes hier meint, er sei ein Geschenk an die Frauen, da muss man sich ja nicht vorher anmelden, wenn man eine seiner Gespielinnen besucht“ sagte sie schließlich scharf. Der Mann schaute sie an, seine Mundwinkel zuckten. „Was ist das denn für ein Scheiß? Ist das Dein Ex oder was? Ich dachte der lebt in Wien?“ - „Nein, das ist nicht mein Ex, das ist ein Mann, von dem ich bis vor wenigen Wochen mal gedacht habe, er besitze Charakter“ Johannes zog leicht den Kopf ein, seine Fingerspitzen hatte er immer noch aneinander gelegt. Dann schaute er Katja an und sagte „ich will mich bei Dir entschuldigen“. Sie lachte heisser auf. „das kommt Dir aber früh“. Er musste ruhig bleiben. Wenn er überhaupt noch eine Chance haben wollte, dann musste er ruhig bleiben. „Ich will mich bei Dir entschuldigen“ wiederholte er noch mal. „Katja, was will der Typ hier?“ Katja schwieg und schaute zu Boden. Dann richtete sie den Blick auf Johannes und sagte leise. „Jo – Bitte“ Es klang so flehend, dass es ihm das Herz herumdrehte. Aber er wiederholte nur „ich will mich bei Dir entschuldigen Katja“
„Also mir reicht das jetzt, hier ist einer zu viel“ meinte der Andere und ließ seine Hände erneut auf die Tischplatte knallen: „Entweder der Typ geht oder ich. Ich dachte wir machen uns nen schönen Abend und dann so ne Scheiße“. Katja schaute Johannes immer noch mit dem flehentlichen Blick an, doch er schlug den Blick nieder und betrachtete wieder die Zeitungen. „Okay, ich gehe“ Der Mann trat einen Schritt zurück und ging dann auf die Tür zu „Kai – es tut mir leid“ sagte Katja schwach. Kai stürmte aus dem Raum, wenige Momente später knallte die Wohnungstür.
Katja sackte in sich zusammen. Immer noch spielte Dave Brubeck im Hintergrund und für einige Momente war das das einzige Geräusch, das das Zimmer erfüllte. Sie saß da, mit geschlossenen Augen und offenen Mund, leicht verzerrt und ihr Brustkorb bewegte sich schnell auf und ab. Johannes richtete sich auf „Verdammter Mist, Katja, ich habe mich total daneben benommen, ich weiß. Ich habe mit dir Spielchen gespielt, ich war dir gegenüber nicht ehrlich und ich habe mich wie ein riesiges Arschloch benommen. Aber du bist mir wichtig, ich will dich nicht verlieren. Ich will nicht, dass du weg bist, ich will nicht, dass ich dein Lachen nicht mehr höre. Du bist ein wunderbarer Mensch und ich weiß nicht was ich hier mache und warum ich hier sitze. Wahrscheinlich mache ich nur alles schlimmer, aber du bist nicht mehr ans Telefon gegangen, du hast meine mails ignoriert. Ich will das es anders wird – bitte Katja“ Sie öffnete die Augen und sah in direkt an „Du glaubst echt was du da sagst – ich fass es nicht“ Dann brach sie in Tränen aus, hielt sich die Hand vor die Augen und weinte einfach. Sie gab sich keine Mühe, es vor ihm zu verstecken, ja es schien fast, als sei er nicht anwesend. Immer wieder löste sich ein tiefer fast röhrender Ton aus ihrer Kehle, ihr schlanker Körper zitterte, die Tränen liefen ihre Wangen herunter und blieben an ihrem Kinn hängen, ihr geschminkter Mund war eigentümlich verzerrt, ihr Kopf hing schief. Sie weinte, für sich, für ihre Verletzung, für diesen Moment. Er war hier fehl am Platz. Er war hier fehl am Platz. Er war hier fehl am Platz. Er schämte sich. Schämte sich dafür, was er getan hatte, schämte sich für seine Ignoranz und Überheblichkeit, mit der er diese Frau behandelt hatte. Für die Verblendung zu meinen, hier nur reinschneien zu müssen und alles wieder gerade biegen zu können. Er hatte es getan und er würde es nie wieder ungeschehen machen können. Es traf ihn wie ein Dolch in der Brust: Es gab kein zurück mehr, es war geschehen, war in der Welt wie ein hässliches kleines Etwas, stand zwischen ihnen und es führte kein Weg mehr daran vorbei. Verzeihen war eine Sache, die war vielleicht eines Tages noch möglich. Ungeschehen machen eine andere. Er hatte geglaubt, er könne es erzwingen, würde es mit seinem Charme und seiner Aufrichtigkeit irgendwie wieder hinkriegen, würde sich im wahrsten Sinne des Wortes Ent-Schuldigen. Wie naiv!! Er stand auf, beschämt, wortlos und ging zur Tür. Sie schien es gar nicht zur Kenntnis zu nehmen. Er ging in den Flur und nahm langsam seinen Mantel vom Haken. Aus der Zimmertür waren immer noch Jazz-Laute zu hören, vermischt mit ihrem Stöhnen. Sein Herz war eng, er lehnte seinen Kopf an die Wand und verzog sein Gesicht. Seine Linke bildete eine Faust und fast hätte er angefangen, damit auf sich selbst einzuschlagen. Statt dessen löste er die Faust und atmete tief aus. Dann drehte er sich langsam um, ging aus der Wohnung hinaus und zog die Tür hinter sich zu. Er wusste dass sie sich für ihn wohl nicht mehr öffnen würde.
[Diese Geschichte ist ein Produkt der Phantasie. Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen unterliegen ebenfalls der dichterischen Freiheit.]
Johannes trat ein, schüttelte den Schnee von seinen Schultern und nahm seinen Mantel ab, um ihn an die Garderobe zu hängen. Da hing bereits ein Zweiter. Irritiert schaute er zur Wohnzimmertür, aus der leise Jazz-Musik klang. Er hörte ihre Stimme und dann den tiefen Bass eines Mannes, der so etwas fragte wie „wer ist gekommen“? Sie antwortete ihm scheinbar nicht. „Oh Mann“ dachte er sich „Du hättest keinen schlechteren Zeitpunkt wählen können“ Dann ging er zu der Tür und betrat den Raum.
Das Licht war gedämpft, an ihrem Esstisch saß ein gut aussehender Mann, etwa in Johannes Alter und schaute ihn etwas skeptisch aber interessiert an. Die Lasagne stand noch auf dem Tisch, ebenso wie ein Kerzenleuchter, dessen Licht sich in zwei großen Rotweingläsern spiegelte. Ihre Teller waren schon leer, er hatte sie wohl zumindest nicht beim Essen gestört. Katja setze sich wieder an ihren Platz am Tisch, wies auf das Sofa gegenüber an der Wand und sagte „Setz Dich doch“ Johannes zögerte, der Mann griff nach seinem Rotweinglas und schaute ihn unvermindert an. „Mist“ dachte Johannes „Verdammter Mist, Du solltest gehen“. Mit steifen Beinen ging er auf das Sofa zu und setze sich. Sie sah ihn an, der Mann sah ihn an und Johannes spürte, wie unangebracht seine Anwesenheit im Moment war. „Es ist kalt geworden draußen“ sagte er, um überhaupt etwas zu sagen. Die beiden anderen schwiegen, im Hintergrund spielte Dave Brubeck Triolen auf seinem Klavier.
Er wartete einige Momente zu und sagte dann „Gute Platte“. Immer noch schweigen sie, der Mann nickte nur und schaute zu Katja, seine rechte Augenbraue zuckte kaum merklich. „Ich habe Euch hoffentlich nicht gestört“ fuhr Johannes fort. Katja atmete kurz und heftig aus, wenigstens überhaupt eine Reaktion. Der Mann richtete seinen Blick wieder auf Johannes. „Nun etwas schon, wie Du siehst waren wir gerade beim Essen“ sagte er. „So“ sagte Johannes und es klang beiläufig. Er rutschte ganz vor auf die Kante des Sofas, beugte sich nach vorne, legte die Unterarme auf seine Schenkel und drückte seine Fingerspitzen aneinander. Dann schaute er auf die auf dem Couchtisch verteilten Zeitschriften. Katja griff zu ihrem Weinglas und setze es an die Lippen, Dave Brubeck spielte mittlerweile eine etwas ruhigere Melodie. Plötzlich stand der Mann auf und sagte „Ich räume mal die Teller in die Küche“ Katja stellte ihr Weinglas ab und schaute Johannes nun direkt an „Warum bist Du gekommen, merkst Du nicht, dass Du störst?“ Ihre Stimme klang etwas schrill. Der Mann blieb mit den Tellern in der Hand stehen und schaute zu Johannes. „Nun, ich wollte mit Dir reden“ sagte Johannes und fuhr sich mit der Hand an die Nase. „Hättest Du das nicht vor vier Wochen machen können, am Bahnhof, als Du einfach gegangen bist?“
Johannes schwieg, starrte auf die Zeitschriften. Sie hatte recht. Er war ein verdammtes Arschloch gewesen, hatte sie einfach stehen lassen. Er war sich in diesem Moment so sicher gewesen, dass er sie nie wieder sehen wollte und hatte gedacht, es sei bequemer, sich ihren kindlichen Fragen nach dem Wieso nicht zu stellen. War sich männlich und klar vorgekommen, hatte sich in dem Gefühl, sich endlich mal nicht korrekt zu verhalten, gebadet. Mein Gott, dabei müsste er sich mittlerweile besser kennen. Noch nie hatte er es hinbekommen, einfach einen Schnitt zu ziehen, dazu war sein Harmoniebedürfnis viel zu groß. Er schreckte hoch als mehrere Teller auf den Tisch knallten. Der Mann hatte sie mit Wucht zurück gestellt „Kann mir jetzt bitte jemand mal erklären, was hier gerade gespielt wird?“ sagte er laut. Katja sah ihn kurz erschrocken an, dann drehte sie sich zu Johannes und sagte ruhig „Diese Frage gebe ich gerne an Dich weiter“. Johannes schwieg. Was sollte er auch sagen. Er war in einer völlig unpassenden Situation hier reingeschneit, ohne so genau zu wissen, was er hier eigentlich wollte. Nie hätte er damit gerechnet, dass sie Männerbesuch haben könnte. Er war so ein Idiot, sie war 27 und wunderhübsch. Wie kam er nur auf die dumme Idee, er könne der Einzige für sie sein, vor allem nachdem was er sich geleistet hatte. „Johannes hier meint, er sei ein Geschenk an die Frauen, da muss man sich ja nicht vorher anmelden, wenn man eine seiner Gespielinnen besucht“ sagte sie schließlich scharf. Der Mann schaute sie an, seine Mundwinkel zuckten. „Was ist das denn für ein Scheiß? Ist das Dein Ex oder was? Ich dachte der lebt in Wien?“ - „Nein, das ist nicht mein Ex, das ist ein Mann, von dem ich bis vor wenigen Wochen mal gedacht habe, er besitze Charakter“ Johannes zog leicht den Kopf ein, seine Fingerspitzen hatte er immer noch aneinander gelegt. Dann schaute er Katja an und sagte „ich will mich bei Dir entschuldigen“. Sie lachte heisser auf. „das kommt Dir aber früh“. Er musste ruhig bleiben. Wenn er überhaupt noch eine Chance haben wollte, dann musste er ruhig bleiben. „Ich will mich bei Dir entschuldigen“ wiederholte er noch mal. „Katja, was will der Typ hier?“ Katja schwieg und schaute zu Boden. Dann richtete sie den Blick auf Johannes und sagte leise. „Jo – Bitte“ Es klang so flehend, dass es ihm das Herz herumdrehte. Aber er wiederholte nur „ich will mich bei Dir entschuldigen Katja“
„Also mir reicht das jetzt, hier ist einer zu viel“ meinte der Andere und ließ seine Hände erneut auf die Tischplatte knallen: „Entweder der Typ geht oder ich. Ich dachte wir machen uns nen schönen Abend und dann so ne Scheiße“. Katja schaute Johannes immer noch mit dem flehentlichen Blick an, doch er schlug den Blick nieder und betrachtete wieder die Zeitungen. „Okay, ich gehe“ Der Mann trat einen Schritt zurück und ging dann auf die Tür zu „Kai – es tut mir leid“ sagte Katja schwach. Kai stürmte aus dem Raum, wenige Momente später knallte die Wohnungstür.
Katja sackte in sich zusammen. Immer noch spielte Dave Brubeck im Hintergrund und für einige Momente war das das einzige Geräusch, das das Zimmer erfüllte. Sie saß da, mit geschlossenen Augen und offenen Mund, leicht verzerrt und ihr Brustkorb bewegte sich schnell auf und ab. Johannes richtete sich auf „Verdammter Mist, Katja, ich habe mich total daneben benommen, ich weiß. Ich habe mit dir Spielchen gespielt, ich war dir gegenüber nicht ehrlich und ich habe mich wie ein riesiges Arschloch benommen. Aber du bist mir wichtig, ich will dich nicht verlieren. Ich will nicht, dass du weg bist, ich will nicht, dass ich dein Lachen nicht mehr höre. Du bist ein wunderbarer Mensch und ich weiß nicht was ich hier mache und warum ich hier sitze. Wahrscheinlich mache ich nur alles schlimmer, aber du bist nicht mehr ans Telefon gegangen, du hast meine mails ignoriert. Ich will das es anders wird – bitte Katja“ Sie öffnete die Augen und sah in direkt an „Du glaubst echt was du da sagst – ich fass es nicht“ Dann brach sie in Tränen aus, hielt sich die Hand vor die Augen und weinte einfach. Sie gab sich keine Mühe, es vor ihm zu verstecken, ja es schien fast, als sei er nicht anwesend. Immer wieder löste sich ein tiefer fast röhrender Ton aus ihrer Kehle, ihr schlanker Körper zitterte, die Tränen liefen ihre Wangen herunter und blieben an ihrem Kinn hängen, ihr geschminkter Mund war eigentümlich verzerrt, ihr Kopf hing schief. Sie weinte, für sich, für ihre Verletzung, für diesen Moment. Er war hier fehl am Platz. Er war hier fehl am Platz. Er war hier fehl am Platz. Er schämte sich. Schämte sich dafür, was er getan hatte, schämte sich für seine Ignoranz und Überheblichkeit, mit der er diese Frau behandelt hatte. Für die Verblendung zu meinen, hier nur reinschneien zu müssen und alles wieder gerade biegen zu können. Er hatte es getan und er würde es nie wieder ungeschehen machen können. Es traf ihn wie ein Dolch in der Brust: Es gab kein zurück mehr, es war geschehen, war in der Welt wie ein hässliches kleines Etwas, stand zwischen ihnen und es führte kein Weg mehr daran vorbei. Verzeihen war eine Sache, die war vielleicht eines Tages noch möglich. Ungeschehen machen eine andere. Er hatte geglaubt, er könne es erzwingen, würde es mit seinem Charme und seiner Aufrichtigkeit irgendwie wieder hinkriegen, würde sich im wahrsten Sinne des Wortes Ent-Schuldigen. Wie naiv!! Er stand auf, beschämt, wortlos und ging zur Tür. Sie schien es gar nicht zur Kenntnis zu nehmen. Er ging in den Flur und nahm langsam seinen Mantel vom Haken. Aus der Zimmertür waren immer noch Jazz-Laute zu hören, vermischt mit ihrem Stöhnen. Sein Herz war eng, er lehnte seinen Kopf an die Wand und verzog sein Gesicht. Seine Linke bildete eine Faust und fast hätte er angefangen, damit auf sich selbst einzuschlagen. Statt dessen löste er die Faust und atmete tief aus. Dann drehte er sich langsam um, ging aus der Wohnung hinaus und zog die Tür hinter sich zu. Er wusste dass sie sich für ihn wohl nicht mehr öffnen würde.
[Diese Geschichte ist ein Produkt der Phantasie. Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen unterliegen ebenfalls der dichterischen Freiheit.]
Samstag, 13. Januar 2007
Bayrische Lebensweisheiten vorgetragen in schlechtem Bayrisch Teil II
Ja, ich weiß, ihr habt alle schon sehnlichst darauf gewartet, eure Fingernägel zerkaut und die Schweißflecken unter euren Armen mit Tempotaschentüchern trocken gelegt...
Aber hier ist er, der zweite Teil der Trillogie - in leicht eigenwilliger Kameraperspektive.
Aber hier ist er, der zweite Teil der Trillogie - in leicht eigenwilliger Kameraperspektive.
Donnerstag, 11. Januar 2007
Ach....
.... wenn man mal mit Youtube anfängt....
Aber der hat mir heute den Abend gerettet:
Weil sich doch manche fragen, wie wohl mein leicht schwuler Tanzstil aussieht... :-)
Aber der hat mir heute den Abend gerettet:
Weil sich doch manche fragen, wie wohl mein leicht schwuler Tanzstil aussieht... :-)
Bayrische Lebensweisheiten vorgetragen in schlechtem Bayrisch
So ein Blog hat ja auch den großen Vorteil, daß man noch mal in die Tiefen seiner Festplatte steigt und schaut, ob sich da noch der eine oder andere Juwel finden lässt, den man hier mit seiner Mitwelt teilen will, kann, muss... Ich habe was klitzern sehen.
Um diese Kleinode richtig einordnen zu können, muss man allerdings weiter ausholen: Den Bayer an sich unterscheidet ja so manches vom Rest der Republik. Oktoberfest, Lederhosen, Mir san Mir und sexy Landrätinnen. Aber eben auch, und dem wird hier nun mal ein wenig Platz zu widmen sein, der sonderbare Glaube an die moralische Kraft kleiner einfältiger Gedichtchen. Keine Verbotsschilder, keine prügelnde Hundertschaften, sondern Gereimtes sorgt hier für den rechten Lauf der Dinge.
Auf die fast schon niedliche Hoffnung, man könne Ordnung durch einfältige Appelle durchsetzen, haben die Bayern zwar kein Monopol, wie das hier in der Schweiz aufgenommene Foto zeigt

Der Aufnahmetermin Ende Dezember und die leicht vergilbte Schrift weißt zwar darauf hin, daß die Buben mit dem Rollbrett und Velo gerade noch überlegen, ob sie sich melden sollen. Allerdings drücken wir dem Hauseigentümer fest und voller Sympathie die Daumen.
Nein, allein sind die Bayern darin nicht. Dennoch fügen sie dem Ganzen noch einen gewisse künstlerische Note hinzu, in dem nicht nur appeliert, sondern eben auch gedichtet wird. Grund genung für mich, in meinem ersten Sommer hier in Bayern (nein, mittlerweile habe ich einen besseren Haarschnitt) den bayerischen Lebensweisheiten eine eigene filmische Trillogie zu widmen, deren ersten Teil hier heute nun Premiere vor einem größeren Publikum haben wird. Danke auch dem Kamerakind Annett an dieser Stelle
Um diese Kleinode richtig einordnen zu können, muss man allerdings weiter ausholen: Den Bayer an sich unterscheidet ja so manches vom Rest der Republik. Oktoberfest, Lederhosen, Mir san Mir und sexy Landrätinnen. Aber eben auch, und dem wird hier nun mal ein wenig Platz zu widmen sein, der sonderbare Glaube an die moralische Kraft kleiner einfältiger Gedichtchen. Keine Verbotsschilder, keine prügelnde Hundertschaften, sondern Gereimtes sorgt hier für den rechten Lauf der Dinge.
Auf die fast schon niedliche Hoffnung, man könne Ordnung durch einfältige Appelle durchsetzen, haben die Bayern zwar kein Monopol, wie das hier in der Schweiz aufgenommene Foto zeigt

Der Aufnahmetermin Ende Dezember und die leicht vergilbte Schrift weißt zwar darauf hin, daß die Buben mit dem Rollbrett und Velo gerade noch überlegen, ob sie sich melden sollen. Allerdings drücken wir dem Hauseigentümer fest und voller Sympathie die Daumen.
Nein, allein sind die Bayern darin nicht. Dennoch fügen sie dem Ganzen noch einen gewisse künstlerische Note hinzu, in dem nicht nur appeliert, sondern eben auch gedichtet wird. Grund genung für mich, in meinem ersten Sommer hier in Bayern (nein, mittlerweile habe ich einen besseren Haarschnitt) den bayerischen Lebensweisheiten eine eigene filmische Trillogie zu widmen, deren ersten Teil hier heute nun Premiere vor einem größeren Publikum haben wird. Danke auch dem Kamerakind Annett an dieser Stelle
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